Thema Industrie 4.0

Klicken Sie auf das Cover, um die komplette Ausgabe zu lesen.

 

Mittelpunkt verpasst? Hier können Sie alle Ausgaben online durchblättern oder das Magazin direkt abonnieren.

 

Industrie 4.0 = die Zukunft?

Vor etwa 25 Jahren befand Microsoft-Gründer Bill Gates, das Internet sei nur ein Hype. Ob er sich damals der Gewagtheit seiner Aussage wohl bewusst war? Unbestreitbar ist heute in jedem Fall, dass er mit seiner Einschätzung nicht ganz ins Schwarze getroffen hat.

 

Ob Industrie 4.0 nur ein Hype ist, wird die Zukunft zeigen. Für den Moment sollte man diese Entwicklung aber zumindest im Auge behalten. Denn ihre Auswirkungen betreffen schon heute nicht mehr nur die Produktion, sondern die Wirtschaft als Ganzes und damit auch kleine und mittelständische Unternehmen.

 

Aber keine Sorge: Im aktuellen Mittelpunkt Magazin erwartet Sie keine trockene Theorie, sondern wie immer die spannenden Geschichten hinter der Geschichte.

     

Unser Titelthema in Auszügen

Heilsbringer oder Milliardengrab? Industrie 4.0 wird kontrovers diskutiert. Einerseits hat das Forschungsministerium entsprechende Projekte schon mit 120 Millionen Euro gefördert. Das Ministerium für Wirtschaft und Energie legte nochmals 100 Millionen drauf und spricht von einer zentralen Herausforderung. Andererseits proklamiert eine aktuelle McKinsey-Studie bereits die „Ernüchterung nach dem Hype“. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte.

 

Die Vorteile von Industrie 4.0 werden langfristig überwiegen. Dazu zählt die Möglichkeit der kleinen Losgrößen, also Serien mit geringen Stückzahlen. Damit sind individualisierte Produkte realisierbar – zum Beispiel der maßgeschneiderte Schuh oder ein passendes Zahnrad für ein bestimmtes Getriebe. Das war bisher nur in Handarbeit oder durch aufwändige Produktionsumstellungen möglich. Im Industrie 4.0-Umfeld gibt der Kunde seine Order online ein und die Daten wandern automatisch vom Bestellsystem über die Produktionsplanung bis in die Fertigung, wo sich die Maschinen selbständig auf die jeweilige Aufgabe einstellen – ohne dass wie bisher unterschiedliche Abteilungen und Menschen Hand anlegen müssen. Versand, Abrechnung, Nachbestellung von Rohstoffen, Kundenbindungsprogramme etc. schließen sich nahtlos an.

 

[...]

 

Die Bedenken gegen Industrie 4.0 basieren nicht nur auf den gewaltigen Investitionskosten, sie sind auch persönlicher Art. Experten prognostizieren eine Veränderung der Beschäftigung von rund 1,5 Millionen Arbeitsplätzen – nach oben oder unten, soweit die aktuelle Bandbreite der Prognosen. Die Boston Consulting Group zählt zu den Optimisten und erwartet in den nächsten zehn Jahren allein im deutschen Maschinenbau 100.000 neue Arbeitsplätze. Die Ursache sieht BCG in einer gesteigerten Produktivität, die bis zu 15 Prozent der Gesamtkosten ausmachen kann. Das entspräche in Summe einem zusätzlichen Wachstum von 1,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die tatsächliche Entwicklung wird vom Automatisierungsgrad, den Lohnkosten und weiteren Schlüsselfaktoren abhängen. Aktuell kostet eine Arbeitnehmerstunde in Deutschland knapp 40 Euro. Im Vergleich: Die USA liegen bei 28 Euro, Japan bei 22 Euro, China bei 5 Euro.

 

Die Angst des Menschen, durch Maschinen ersetzt zu werden, ist so alt wie die Ablösung des Webstuhls durch die Webmaschine. Die Ängste des Managements sind diffiziler: Innerhalb vernetzter Strukturen sind nicht nur die Anforderungen komplexer, im System können auch Entscheidungen transparent nachvollzogen und exakt bewertet werden. Vom mächtigen Manager zum totalen Teamplayer: Dieser Wechsel wird im deutschsprachigen Raum Zeit und Geduld brauchen, weil hierarchische Organisationstrukturen in unseren Firmentraditionen tief verwurzelt sind.